Die Dorfclubs mögen es offensiv

JEDDELOH. Die SV Drochtersen/Assel ist mit einem 2:2-Unentschieden beim Aufsteiger SSV Jeddeloh in die Fußball-Regionalligasaison gestartet. D/A hat Konkurrenz bekommen. Mit dem Titel „Dorfclub“ kokettierten einst die Kehdinger, nun auch Jeddeloh„Ein Dorf rockt jetzt die Regionalliga“ titelt der Verein auf Seite drei seines Stadionmagazins „Heimspiel“. Pünktlich zum Saisonauftakt ist das Kassenhäuschen aus Holz fertig geworden. Die Blockhütten, in denen freiwillige Helfer Kaffee und Kuchen verkaufen, stehen schon länger. Die Würstchenbude des Hauptsponsors liegt daneben und ist gut besucht. Im Sprecherturm der 53acht-Arena gibt Torsten Bölts die Mannschaftsaufstellungen durch und bedankt sich bei 1057 Zuschauern. Es ist gemütlich in Jeddeloh, das Stadion hat Charme, ja etwas Familiäres.

Die Auftaktbegegnung des SSV Jeddeloh gegen die SV Drochtersen/Assel avanciert zum Straßenfeger. Bei 1300 Einwohnern ist mutmaßlich weit mehr als das halbe Dorf auf den Beinen. Sie alle wollen an der Euphorie teilhaben, die die Mannschaft in der vergangenen Oberliga-Saison entfacht hat. Am 6. Mai schoss Mario Fredehorst den SSV Jeddeloh am drittletzten Spieltag der Oberliga Niedersachsen gegen FT Braunschweig in der 66. Minute endgültig in Deutschlands vierthöchste Spielklasse. Seitdem ist das Dorf im Ausnahmezustand.

„Die Party hörte nicht mehr auf“, sagt Vereinspräsident Jürgen Ries. Drei Wochen lang platzte der „Goldene Anker“ aus allen Nähten. Neue Wirtsleute hatten gerade das Vereinslokal übernommen. „Die haben gleich den richtigen Eindruck bekommen“, sagt Ries und schmunzelt. Feiernde Spieler und Fans fielen nach der Rückfahrt aus Braunschweig aus den Bussen direkt an den Tresen.

Den Verein nach dem Aufstieg verlassen wollte niemand. Nur zwei Spieler gingen. „Der eine hatte zu hohe finanzielle Forderungen, der andere hatte Tränen in den Augen“, sagt Jürgen Ries. Der SSV Jeddeloh gilt in der Szene auch deshalb nicht als „normaler Aufsteiger“, weil von dem 28-köpfigen Kader 20 Spieler bereits beim etablierten Großstadtclub VfB Oldenburg in der Nachbarschaft kickten. Ein spendabler Bauunternehmer, ein Fleisch- und Wurstwarenfabrikant und ein Personaldienstleister pumpen das meiste Geld in den Verein und machen es möglich, dass erfahrene Leute und keine Grünschnäbel das Projekt Klassenerhalt in Jeddeloh angehen können.

Der erste Jeddeloher Trumpf sticht bereits in der achten Minute. Der 1,89 Meter große Stürmer Nils Laabs, zuvor drei Jahre beim VfB Oldenburg und eine Saison lang beim Bremer SV unter Vertrag, spitzelt den Ball über D/A-Torwart Patrick Siefkes über die Linie. Laabs sei schwer zu verteidigen, wird Drochtersens Trainer Enrico Maaßen später sagen. Der habe Wucht und Jeddeloh en masse Tempo. Der SSV drückt Drochtersen in die eigene Hälfte. Nach einer verkorksten Rückgabe von Oliver Ioannou kann Siefkes vor Laabs gerade noch retten. Sven Zöpfgen muss sich in eine freie Schussbahn werfen, Jeddelohs Marcel Gottschling findet in Siefkes seinen Meister. Erst nach 20 Minuten schaltet der Gastgeber einen Gang zurück.

Mit ihrer ersten Chance stellt die SV D/A in der 22. Minute den Ausgleich her. Nach einem Freistoß von Nico Mau scheitert Nikola Serra zunächst per Kopf. Alexander Neumann drückt den Abpraller über die Linie. Jetzt ist D/A wach. Erdogan Pini versucht es aus der Distanz. Den Ball lenkt Christian Meyer an den Pfosten. Florian Nagel vergibt kurz danach aus spitzem Winkel.

Enrico Maaßen gefällt, was er sieht. „Beide Mannschaften haben ihr Heil in der Offensive gesucht. Wir hatten große Möglichkeiten“, sagt er. Sein Trainerkollege Key Riebau reduziert die Marschroute während der Mannschaftsbesprechung vor dem Spiel auf die Wörter „Leidenschaft, Kampf, absoluter Wille und taktische Disziplin“. Gegen einen Gegner, der es dreckig mag.

Die zweite Halbzeit beginnt mit einer Schrecksekunde. Patrick Siefkes verletzt sich ohne Fremdeinwirkung bei einem Abwurf am Knie. Am Montag wird die Drochterser Nummer eins untersucht. Jannis Trapp geht zwischen die Pfosten und macht seine Sache bis zum Schlusspfiff gut. D/A erholt sich schnell von diesem Rückschlag und bestimmt das Tempo. In der 66. Minute bringt Florian Nagel die Kehdinger verdient in Führung. Die währt allerdings nur zwölf Minuten. Erneut ist es Jeddelohs Mittelstürmer Nils Laabs, der den Ball nach einer schönen Flanke über die Linie drückt. Nagel und Neumann verpassen in der Schlussphase die erneute D/A-Führung.

Die Party in Jeddeloh kann weitergehen. „Heute waren Leute im Stadion, die noch nie hier waren“, sagt Vereinschef Jürgen Ries. Und der Erfolg ist Gold wert. Ries: „Früher mussten wir Klinken putzen. Heute kommen die Sponsoren zu uns.“

Die SV Drochtersen/Assel bleibt ihrer Linie treu. In die dritte Regionalligasaison der Vereinsgeschichte startet die Mannschaft zum dritten Mal mit einem Unentschieden. 1:1 beim VfL Wolfsburg II, 1:1 gegen den BSV Rehden. Jetzt 2:2 in Jeddeloh. „Immerhin“, sagt Enrico Maaßen, „wir haben mehr Tore geschossen.“

Die Statistik

Tore: 1:0 (8.) Laabs, 1:1 (22.) Neumann (22.), 1:2 (66.) Nagel, 2:2 (78.) Laabs

SSV Jeddeloh: Meyer, Engel, Plendiskis (90. Hahn), Tomas, Canizales-Smith, Stütz, Ficara (69. Oltmer), Stach (75. Fredehorst), Gottschling, Samide, Laabs

SV Drochtersen/Assel: Siefkes (51. Trapp), Serra, Grahle, Mau, Ioannou, Elfers, Zöpfgen, Winkelmann, Nagel, Neumann, Pini (85. Gierke)

Schiedsrichter: Simon Rott, Assistenten: Christopher de Vries, Rudolf Ackermann

Zuschauer: 1057

Nächstes Spiel: SV Drochtersen/Assel – VfB Lübeck (Freitag, 4. August, 19.30 Uhr, Kehdinger Stadion)

 

Andrijanic steigt wieder ein

Marcel Andrijanic (Mitte) will wieder spielen.

DROCHTERSEN. D/A-Neuzugang Marcel Andrijanic ist zuversichtlich, beim nächsten ober übernächsten Spiel wieder dabei zu sein. Bei Torhüter Patrick Siefkes hoffen sie bei D/A.

Nach einer Knieverletzung, die sich der 24-Jährige während des Trainingslagers in Dänemark vor viereinhalb Wochen zugezogen hatte, macht der Mittelfeldspieler Fortschritte. „Nächste Woche werde ich voll trainieren“, sagt er. Das Knie fühle sich gut an. Lediglich nach hohen Belastungen verspüre er noch Schmerzen, aber das sei normal. Andrijanic: „Weil ich aber den Großteil der Vorbereitung verpasst habe, fehlt mir noch die Kraft.“ Der Fußballer nahm viel Einzeltraining bei D/A-Physiotherapeutin Katja Sievers und zudem viel Arbeit mit nach Hause.

Die Kehdinger hoffen, dass sich die Knieverletzung von Torwart Patrick Siefkes als nicht so schlimm herausstellt. Bei einem Abwurf in der zweiten Halbzeit des Spiels gegen Jeddeloh verdrehte er sich das Gelenk. „Geknackt hat nichts. Jedenfalls habe ich nichts gehört“, sagt Siefkes. Siefkes hatte bereits in der ersten Hälfte Probleme. Bandagiert musste er 40 Minuten der Partie von der Bank aus verfolgen.

Quelle: Stader Tageblatt