D/A: Das Déjà-vu mit den Sonntagsschüssen

DROCHTERSEN. Die SV Drochtersen/Assel hat gegen Eintracht Braunschweig II ein Déjà-vu erlebt. Wie zuletzt verloren die Kehdinger auch diese Partien verlor unnötig (1:2) und kassierten dabei Traumtore und Rumpeltore wie aus dem viel beschriebenen Nichts.

640 Zuschauer sehen, wie ihre Lieblinge im Kehdinger Stadion permanent anrennen gegen die zweite Mannschaft von Eintracht Braunschweig. So stellt sich Trainer Maaßen den Drochterser Power-Fußball vor. Der Plan ist gut. Braunschweig steht hinten drin. Die Drochterser erspielen sich in den ersten sechszehn Minuten vielversprechende Chancen. Die Beste vergibt Florian Nagel, der allein auf Eintracht-Torhüter Daniel Reck zuläuft, den Ball aber nicht an ihm vorbeischieben kann. Reck hat die Drochterser Offensivkräfte die gesamte Anfangsphase über genervt. Erst lenkt er einen Kopfball von Nikola Serra um den Pfosten, dann vereitelt er eine Möglichkeit von Alexander Neumann. Bei einem Konter fehlt den Gastgebern in der zehnten Minute in Überzahl die Übersicht.

Im Spiel in Lüneburg kassierte D/A den Gegentreffer, der zur 0:1-Niederlage führte in der 27. Minute. Ein Glückstreffer aus der Distanz, der sich hinter Torwart Patrick Siefkes ins Netz senkte. Im Heimspiel gegen Lübeck gaben die Kehdinger einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand und verloren nach einer 2:0-Führung 2:3. In jedem Spiel stellte D/A die aktivere Mannschaft und kreierte die besseren Chancen. Braunschweig reichte eine ziemlich abgezockte Variante eines Eckballs zum 1:0. Der erste ernsthafte Schuss aufs Drochterser Tor saß. Mal wieder.

Die Kehdinger stellen sich in der 20. Minute vor dem eigenen Tor auf und erwarten die lange Ecke von Eros Dacaj. Dacaj narrt die D/A-Defensive mit einem flachen Pass an die Strafraumkante. Dort steht Eric Veiga ungedeckt, nimmt den Ball direkt und zirkelt ihn mit dem linken Fuß in den oberen linken Winkel. Wieder so ein Sonntagsschuss, der zum Rückstand führt. Kopfschütteln, Schockstarre, Déjà-vu-Erlebnis.

Bis zum Ende der ersten Halbzeit passiert nicht mehr viel. Nach dem Wechsel benötigt D/A zehn Minuten, um die erste gefährliche Aktion zu erspielen. Beim Abschluss rutscht Florian Nagel der Ball über den Fuß und geht weit über das Tor. Nach 66 Minuten streift ein Kopfball von Dimitri Fiks über die Latte. Fiks darf am Sonntag das zweite Mal in dieser Saison von Anfang an spielen. Maaßen informierte ihn am Vorabend über WhatsApp. „Ich haben mich sehr gefreut“, sagt Fiks, der in der Innenverteidigung den gelbgesperrten Nico Mau vertritt. Der 26-Jährige löst seine Aufgabe auf der Schlüsselposition mit Bravour. „Ein, zwei Sachen muss ich klarer spielen“, sagt er später selbstkritisch.

D/A vergibt die Chancen, Braunschweig knipst und sichert sich spätestens mit dem 2:0 in der 71. Minute endgültig den Klassenerhalt in der Regionalliga Nord. Morten Rüdiger pflückt einen hohen Ball mit der Fußspitze aus der Luft, spitzelt den Ball über Laurens Rogowski und drischt ihn Vollspann aus kurzer Distanz an dem chancenlosen D/A-Torwart Patrick Siefkes vorbei ins Netz. Bei so viel technischer Eleganz müssen sogar einige Drochterser Fans auf der Tribüne anerkennend nicken.

Der Anschlusstreffer von Dimitri Fiks in der 77. Minute bringt ein wenig Hoffnung für die Hausherren. Bei Standardsituationen soll der Verteidiger im gegnerischen Strafraum stehen. Irgendwie gelangt der Ball auch zu ihm. Mit der Fußspitze drückt er ihn über die Linie. Drochtersen sammelt danach alle Kräfte und versucht, aus der Distanz zum Erfolg zu kommen. Den Schüssen fehlt aber die Präzision. „Die Chancen zum Sieg waren da“, sagt Fiks, der seinen zweiten Regionalligaeinsatz von Beginn an trotz seines Tores nach dem Abpfiff so wenig genießen kann.

Braunschweigs Trainer Henning Bürger lässt seine Mannschaft den Klassenerhalt ausgiebig feiern. Sie haben es sich verdient. Er sagt, er freue sich, in der kommenden Saison wieder nach Drochtersen fahren zu dürfen. Klingt im ersten Moment wie ein Lob. Das könnte aber auch daran liegen, dass Drochtersen für die Eintracht in dieser Spielzeit Punktelieferant war. Bereits das Hinspiel entschied Braunschweig mit 1:0 für sich. Die Trainer umarmen sich beim Abschied.

„Wir wollten den Zuschauern beim letzten Heimspiel etwas bieten“, sagt Enrico Maaßen. Deshalb sei er von der Niederlage enttäuscht. Trotzdem habe D/A eine gute Saison gespielt. „Gemessen an den Strukturen ist ein einstelliger Tabellenplatz richtig gut“, sagt der Drochterser Trainer.

Die Statistik

Tore: 0:1 (20.) Veiga, 0:2 (71.) Rüdiger, 1:2 (77.) Fiks.
SV Drochtersen/Assel: Siefkes, Klee (73. Gierke), Rogowski, Fiks, Serra, Elfers, Ioannou, Grahle, Nagel (81. Kühn), Gooßen, Neumann.
Schiedsrichter: Theodor Potiyenko (FC Hude)
Zuschauer: 640
Letztes Spiel: ETSV Weiche Flensburg – SV Drochtersen/Assel (Sonnabend, 20. Mai, 13 Uhr)

Blumen zum Abschied

DROCHTERSEN. Die Spielvereinigung Drochtersen/Assel hat am Sonntag nach dem Regionalligaspiel gegen Eintracht Braunschweig II (1:2) vier Spieler verabschiedet. Danny-Torben Kühn (31) kam nach seinem ersten Abschied im Sommer 2016 im Winter zurück zu D/A. „Mal sehen, was im nächsten Winter passiert“, sagt der Stürmer und lacht. Er habe noch einmal ein schönes halbes Jahr gehabt. Kühn, der seine aktive Karriere endgültig beenden wird: „Wir dürfen uns die Saison nach zwei Niederlagen am Stück nicht schlechtreden lassen. Ich gehe davon aus, dass wir am letzten Spieltag in Flensburg gewinnen.“ Nach einer Saison verlässt Bünyamin Balat den Regionalligisten. Der 20-Jährige kam auf 13 Einsätze. Zweimal durfte er von Beginn an ran. Er gab eine Torvorlage. „Persönlich lief es für mich nicht so schön. Aber ich habe viel gelernt“, sagt er zu seinem Abschied. Wohin Balat wechselt, ist unklar. Niklas Niekerken hatte in seinem ersten und vorerst letzten Regionalligajahr die wenigsten Einsätze aller Spieler. Der 20-Jährige kam gerade mal auf einen Einsatz, der nur zwei Minuten dauerte. Niekerken wechselt zum potenziellen Landesliga-Aufsteiger SV Ahlerstedt/Ottendorf und beginnt beruflich mit der Meisterschule. Henry Sung dagegen hat die letzten sieben Jahre der Kehdinger mitgeprägt. „Das waren schöne Jahre mit geilen Fans“, sagt Sung, der in diesem Jahr aufgrund einer Schulterverletzung nur acht Spiele bestreiten konnte.

Quelle: Stader Tageblatt