D/A verliert verrücktes Spiel gegen Lübeck

DROCHTERSEN. Der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel hat am Dienstag gegen den VfB Lübeck einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand gegeben und nach einer 2:0-Führung 2:3 verloren. 611 Zuschauer sahen in der Schlussphase ein verrücktes Spiel.

Als keiner im Kehdinger Stadion mehr an Lübecks Comeback glaubt, schlägt der VfB eiskalt zu. Nach einem Freistoß von Marvin Thiel drückt Marcello Meyer den Ball in der 80. Minute irgendwie zum 1:2-Anschlusstreffer über die Linie. Ein halbes Dutzend Spieler steht vor der Torlinie. Der Ball trudelt aus Drochterser Sicht unglücklich drüber. Beim 2:2 gut sechzig Sekunden später pennt die Drochterser Hintermannschaft. Stefan Richter nutzt eine lange Flanke und trifft per Kopf. Die Partie hat längst das Prädikat verrückt verdient. Und es wird noch verrückter. Der eingewechselte Abdoul Abou Rashed tritt einen harmlosen Freistoß aus dem Halbfeld, den Patrick Siefkes unterschätzt und passieren lässt. 2:3: D/A ist entsetzt.

Drei Tore in den letzten zehn Minuten drehen das Spiel

„Es ist so schwer, gegen uns Tore zu schießen. Heute haben wir die drei Gegentore quasi selbst geschossen“, sagt D/A-Trainer Enrico Maaßen. Drei individuelle Fehler entscheiden das Spiel. „Aus den zehn schlechten Minuten müssen wir lernen“, so der Trainer.

Das erste Ausrufezeichen des Spiels setzt der Gast. Marcello Meyers Distanzschuss aus 26 Metern geht in der fünften Minute links am Drochterser Tor vorbei. Die Spieler haben bei Dauerregen Probleme mit dem rutschigen Rasen. Nach einem Pass von Alexander Neumann verliert Jasper Gooßen an der Strafraumgrenze in aussichtsreicher Position den Halt und stolpert. Ansonsten passiert 24 Minuten lang nicht viel.

D/A spielt in der Defensive souverän und setzt Lübeck früh unter Druck. Die Kehdinger zerstören die Lübecker Angriffe im Ansatz. Maaßen setzt dabei auf bewährte Muster. In vorderster Reihe attackieren Gooßen, Neumann und Florian Nagel. Dahinter agieren Sven Sören Zöpfgen und Marius Winkelmann. Aus der Fünfer-Abwehrkette schalten sich die Außen Jannes Elfers und Meikel Klee immer wieder ins Angriffsspiel ein.

Vor allem der schnelle Elfers ist auf der linken Seite viel am Ball. In der 24. Minute tanzt er mit einem Doppelpass mit Neumann die Lübecker Abwehr aus, bevor der VfB ihn unsanft vom Ball trennt. Nagel, der seine Gelbsperre abgesessen hat, hat aus spitzem Winkel beim Freistoß die zündende Idee, zirkelt den Ball über die Zwei-Mann-Mauer und versenkt ihn in der kurzen Ecke. Lübecks Torwart Alexander Langer springt ins Leere.

Ein Schüsschen von Gary Noel lassen die Drochterser in der 26. Minute zu. Der Ball ist aber sichere Beute von Patrick Siefkes. Lübeck enttäuscht.

Die Schlussphase der ersten Halbzeit gehört D/A: Die Kehdinger belagern das Lübecker Tor, erspielen sich eine Flut von Ecken und Freistößen. Richtig gefährlich wird es nicht, aber die Zuschauer honorieren den Dauerdruck ihrer Lieblinge. Neumann und Nico Mau haben gute Gelegenheiten. In der 39. Minute versagt Schiedsrichter Jorrit Friedrich Eckstein-Staben nach einem vermeintlichen Foul an Gooßen den vehement geforderten Elfmeterpfiff.

40 Polizisten sind bei dem sogenannten Risikospiel im Einsatz. Im vergangenen Jahr hatten Lübecker Anhänger im Fanblock randaliert. Diesmal bleibt alles ruhig. Von 80 angekündigten Gästefans kommt nur eine Handvoll.

Nach der Pause passiert zunächst nicht viel. Lübeck hat mehr Ballbesitz. Die Gäste spielen sicherer, ohne große Gefahr auszustrahlen. Fouls im Mittelfeld häufen sich. Die Partie verflacht.

Nach etwas mehr als einer Stunde legt sich Nagel einen Freistoß zurecht. Und weil der Mann offensichtlich einen Zauberfuß besitzt, zeigt er sein zweites Meisterstück an diesem Abend. Sein Schuss aus 27 Metern landet unhaltbar im Winkel. Lübeck ist bedient. Drochtersen feiert seinen Kunstschützen. Gooßen kann in der 71. Minute sogar auf 3:0 erhöhen. Nach einer Kombination über Winkelmann und Nagel scheitert der Mittelstürmer aus kurzer Distanz. Das rächt sich.

Erst am vergangenen Freitag erzielte D/A gegen Hannover 96 II in der Schlussviertelstunde die drei siegbringenden Treffer zum 4:1. Gegen Lübeck kassieren die Kehdinger innerhalb von zehn Minuten die Tore, die zur Pleite führen. „So eng liegen Erfolg und Misserfolg beieinander“, sagt D/A-Präsident Rigo Gooßen. Der Chef tröstet sich und nimmt die unnötige Niederlage gegen Lübeck mit Humor: „Dafür haben wir die schöneren Tore geschossen.“

Die Statistik

Tore: 1:0 (25.) Nagel, 2:0 (62.) Nagel, 2:1 (80.) Meyer, 2:2 (81.) Richter, 2:3 (88.) Abou Rashed

Gelb Rote Karte: Meyer (87. VfB, Foul und Unsportlichkeit)

SV D/A: Siefkes, Klee, Rogowski, Mau, Serra, Elfers, Zöpfgen, Winkelmann, Nagel, Neumann (74. Ioannou), Gooßen.

Schiedsrichter: Jorrit Friedrich Eckstein-Staben (SC Wentorf)

Zuschauer: 611

Nächstes Spiel: Lupo Martini Wolfsburg – SV D/A (So., 7. Mai, 15 Uhr)

Quelle: Stader Tageblatt