D/A II: Torwart dringend gesucht

DROCHTERSEN. Die zweite Mannschaft der SV Drochtersen/Assel hat vor dem Derby in der Fußball-Landesliga gegen den TuS Harsefeld ein ausgesprochenes Torwartproblem. Spielertrainer Hannes Schulz, eigentlich Abwehrstratege, musste zuletzt zwei Mal zwischen den Pfosten stehen.

Von Daniel Berlin und Jan Bröhan

Das Torwartproblem bei D/A II ist so tragisch, dass es bald schon wieder komisch wird. Die Misere spitzte sich zu, als sich Hendrik Lemke vor gut zwei Wochen während des Heimspiels gegen Rotenburg den Arm brach. Spielertrainer Hannes Schulz zog sich in Ermangelung eines gelernten Ersatztorwarts die Handschuhe über und schaukelte den 1:0-Sieg gemeinsam mit seinen Kollegen gerade so über die Zeit. Eine Woche später hatte Abwehrstratege Hannes Schulz bei seinem zweiten unfreiwilligen Einsatz als Torwart weniger Glück. D/A II und Schulz kassierten gegen den SV Teutonia Uelzen sechs Stück.

Jetzt steht das Derby gegen den TuS Harsefeld an. Anpfiff ist am Sonntag um 15 Uhr im Kehdinger Stadion. Mit 36 Punkten aus 24 Spielen ist D/A II eigentlich gesichert auf Rang sieben. „Es müsste schon richtig mies laufen, wenn wir noch absteigen“, sagt Hannes Schulz. Aber von „mies laufen“ kann Schulz ein Liedchen singen. Das zeigt sich schon daran, wer aus den verschiedensten Gründen am Sonntag nicht im Drochterser Tor stehen kann.

Am Anfang der Saison stand Dennis Schäfer als zweiter Mann hinter Lemke noch im D/A II-Kader. Schäfer hat sich im Januar allerdings aus Kehdingen verabschiedet, um beruflich in Hamburg durchzustarten. Der Torwart schnupperte bei Bramfeld rein, stellte D/A II aber in Aussicht einzuspringen, wenn Not am Mann ist. Der Fall ist jetzt eingetreten. Dummerweise auch in Bramfeld. Schäfer ist unabkömmlich, weil dort beide Torhüter ausgefallen sind.

Hannes Schulz hat in der Not auch Sven Meyer angerufen. Der Mann stand in Drochtersen und beim VfL Stade zwischen den Pfosten und spielte bei der SG Lühe zwischendurch als Stürmer. Heute trainiert Meyer bei D/A die Jugend und kickt bei den Alten Herren – und er ist im Urlaub in Kroatien.

Als hoffnungsvolles Nachwuchstalent bei D/A gilt Tobias Dreyer. Der ist allerdings erst 16 Jahre alt und darf nicht ohne Weiteres bei den Herren eingesetzt werden. Dreyer müsste vom Niedersächsischen Fußballverband (NFV) zu einem Auswahllehrgang eingeladen werden und mal ein Minütchen in der Auswahl spielen. Es soll Gespräche zwischen D/A und dem NFV geben. Für Sonntag ist Dreyer aber keine Option. In der A-Jugend von D/A spielt durchaus ein bereits 18 Jahre alter Torwart. Der weilt derzeit aber in Neuseeland.

Henrik Licht wäre noch eine weitere Option gewesen. Licht steht im Kader der dritten Drochterser Mannschaft und spielt in der Bezirksliga. Weil D/A aber zurzeit kein Glück hat, verletzte sich Licht im letzten Spiel und kann wahrscheinlich nicht einmal für seine eigene Mannschaft auflaufen.

Also doch wieder Hannes Schulz? Als er noch bei Güldenstern in Stade spielte, stellte er sich aus Spaß bei Trainingsspielen zwischen die Pfosten. Als Kind ging er manchmal ins Tor. Aber er sagt selbst, er habe die Bewegung eines Torwarts nicht drauf. „Torhüter sind eine ganz eigene Spezies. Das kriegst du nicht so leicht rein“, sagt Schulz.

Der Spielertrainer der zweiten Mannschaft schielt natürlich mit einem Auge auf das Regionalligateam. Patrick Siefkes wird beim Auswärtsspiel der Ersten beim SV Eichede am Sonntag ab 15 Uhr gesetzt sein. Bislang steht noch nicht fest, ob Ersatzkeeper Jannis Trapp womöglich gegen den TuS Harsefeld für D/A II ran darf und Torwarttrainer Christoffer Schellin den Platz von Trapp auf der Reservebank in Eichede einnimmt.

Was die Personalengpässe und speziell die Notsituation auf der Torhüterposition der vergangenen Wochen betrifft, wird beim Kreisrivalen TuS Harsefeld natürlich wahrgenommen. „Von außen betrachtet, ist das nur sehr schwer nachvollziehbar“, sagt TuS-Teammanager Tim Schnoor. D/A hätte wahrlich mehr Möglichkeiten, seiner zweiten Mannschaft auszuhelfen. Der TuS Harsefeld dagegen hat schon ein Luxusproblem auf der Torhüterposition. Gesetzt ist der oberligaerfahrene Fabiano Curia, der bisher alle Saisonspiele bestritten hat. Dahinter warten mit Adrian Schulz und Daniel Schumacher zwei Torhüter, die auch gutes Landesliganiveau haben.

 

„Kein Lieblingsgegner“

HARSEFELD. Trotz des 3:0-Sieges im Hinspiel erwartet den TuS Harsefeld in Drochtersen voraussichtlich ein schwerer Gang. „In Drochtersen haben wir meistens nicht so gut ausgesehen“, sagt Tim Schnoor, Teammanager des TuS Harsefeld. D/A II sei nicht gerade ein Lieblingsgegner. Überhaupt sind auch in dieser Saison schon einige Favoriten über D/A II gestolpert, vor allem in Kehdingen. Tabellenführer Celle fuhr mit einer 2:4-Packung heim und wurde von der Schulz-Truppe auch im Rückspiel mit 3:1 besiegt. Teutonia Uelzen (2:1) und Eintracht Cuxhaven (4:1) hat D/A II daheim ebenso besiegt. Nur MTV Treubund Lüneburg konnte bisher einen Dreier aus Kehdingen entführen. „Das liegt den Drochtersern, wenn sie aus der Tiefe kommen und auf ihr schnelles Umschaltspiel setzen können“, sagt Schnoor. Der TuS werde dennoch versuchen, eine spielerische Lösung zu finden. Schnoor hofft, dass das Team nach dem 2:0-Erfolg im Nachholspiel gegen Pennigbüttel wieder in Tritt ist. Zuvor hatte der TuS drei Spiele nicht getroffen.

Quelle: Stader Tageblatt