D/A bettelt um die Niederlage

HAMBURG. Der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel hat im Stadion Hoheluft in Hamburg um eine Niederlage gegen die U 23 des FC St. Pauli gebettelt. Und sie prompt bekommen. In der zweiten Minute der Nachspielzeit verlor D/A 0:1 durch einen Foulelfmeter.

Nach 92 Minuten Rumpelfußball hören die Zuschauer den Frustschrei von D/A-Trainer Enrico Maaßen bis unter das Dach der 87 Jahre alten holzbedachten Tribüne im Stadion Hoheluft. Der Coach schmeißt seine Wasserflasche auf den Rasen und schüttelt den Kopf. „Wenn es in der Offensive nicht läuft, müssen wir wenigstens hinten konzentriert stehen“, sagt Maaßen. Aber Innenverteidiger Matti Grahle rückt bei einem Hamburger Angriff zu weit auf und Linksaußen Jannes Elfers verliert seinen Gegenspieler Marcell Sobotta vollends aus den Augen. Sobotta startet durch, schlägt im Strafraum einen Haken nach links. Sven Sören Zöpfgen will retten, was nicht mehr zu retten ist, und reißt Sobotta das Standbein weg. Den fälligen Strafstoß verwandelt Joel Keller. Er verlädt D/A-Torwart Patrick Siefkes.

Haasträubende Fehler

Taktikfuchs Enrico Maaßen hasst solche Aussetzer. Solche „haarsträubenden Fehler“. Er hasst es, wenn seinem Team „die Griffigkeit, die Geilheit auf den Ball und die Emotionen“ fehlen. Sechs Tage zuvor lieferte seine Mannschaft gegen die Zweite vom HSV beim 4:0 noch eines der besten Spiele seit ihrer Regionalliga-Zugehörigkeit ab. Die Partie am Donnerstag gegen St. Pauli gehörte zum Schlechtesten, was D/A in den vergangenen 19 Monaten gezeigt hat.

In der Offensive gelingt nichts. Die Pässe sind unpräzise, die Kreativspieler diesmal unkreativ. St. Pauli lässt vier gute Gelegenheiten verstreichen, um früher in Führung zu gehen. Die Beste vergibt Nico Empen direkt nach der Pause. Als die Drochterser mit ihren Gedanken noch in der Kabine sind, taucht er frei vor dem D/A-Tor auf, und schiebt den Ball knapp am Pfosten vorbei.

Die Hoffnung der 80 mitgereisten D/A-Fans auf wenigstens einen Punkt stirbt erst ganz zum Schluss. Auf der Tribüne singen sie D/A-Präsident Rigo Gooßen zum 57. Geburtstag ein Ständchen und schunkeln sich bei nasskaltem Wetter ein. Sie klatschen bei Standards, sie stöhnen bei Fehlpässen und atmen tief durch, wenn St. Pauli das Tor verfehlt. Allein das charmante Stadion entschädigt fürs Kommen. Am Dach des Fassbier-Ausschanks klebt die Patina, an den blauen Plastiksitzschalen in den letzten Reihen der Tribüne der Staub der vergangenen Jahre. Vom Gebälk herunter hängen Attrappen von Krähen, die die echten Tauben vertreiben sollen, aus den Boxen dröhnen stilecht Rock und Punk, von der vierspurigen Straße neben dem Stadion wabert der Verkehrslärm herüber.

„Traurig“ sei er, sagt Maaßen. Bei der Beschreibung seiner Gefühlslage verwendet er oft das Wort mit „Schei…“. Trost kommt vom Gegner. „Sie haben den letzten Pass nicht ausgespielt. Sonst hätte es brennen können“, sagt FC-Trainer Joachim Philipkowski. Sein Team habe es geschafft, gegen die beste Abwehr der Liga ein Tor zu schießen.

Die beiden Trainingseinheiten, die Maaßen für die Osterfeiertage ansetzt, muten wie Straftrainings an. Bei einem besseren Ergebnis hätten die Spieler frei gehabt. Maaßen schickt seine Spieler heute und Montag ab zehn Uhr morgens auf den Rasen, obwohl das nächste Auswärtsspiel beim abgeschlagenen Tabellenletzten Eichede erst am kommenden Sonntag auf dem Plan steht.

Die Statistik

Tore: 1:0 (Foulelfmeter, 90+2.) Keller

FC St. Pauli II: Brodersen, Ambrosius (56. Kunze), Nadjem, Keller, Tanovic, Koglin, Sobotta, Lee, Conteh, Empen (90+3. Keßner), Schneider (63. Rosin).

SV Drochtersen/Assel: Siefkes, Klee, Rogowski, Mau (60. Winkelmann), Grahle, Elfers, Zöpfgen, Ioannou, Nagel (77. Kühn), Neumann (85. Fiks), Gooßen.

Zuschauer: 340

Schiedsrichter: Lukas Benen (SV Vorwärts Nordhorn)

Nächstes Spiel: SV Eichede – SV Drochtersen/Assel (So., 23. April, 14 Uhr)

Quelle: Stader Tageblatt