Schlechte Stimmung ist bei D/A verboten

DROCHTERSEN. D/A-Trainer Enrico Maaßen wischt die negativen Gedanken weg. Die will er nach dem neuerlichen Unentschieden gar nicht erst aufkommen lassen. Nach dem 1:1 gegen Eintracht Norderstedt am Sonntag schaut er dennoch in traurige Gesichter.Die Tabelle sieht auf den ersten Blick nicht besonders gut aus. Die Fußballer des Regionalligisten SV Drochtersen/Assel rutschen nach dem Spiel gegen Norderstedt von Rang zwölf auf Rang dreizehn. Vom ersten Abstiegsplatz sind die Kehdinger drei Punkte entfernt. Erst beim zweiten Hinsehen wird klar, dass noch ein wenig Luft ist, nicht viel zwar. Und die Situation wird freilich langsam bedenklich. D/A hat zwei, drei Spiele weniger ausgetragen als die direkte Konkurrenz um den Klassenerhalt. „Na klar müssen wir nach unten schauen“, sagt Trainer Enrico Maaßen. Aber D/A werde die Ruhe bewahren und Gas geben. Maaßens Glas ist halbvoll und nicht halbleer.

Deshalb lobt er seine Kicker für den Auftritt gegen Norderstedt. Die Eintracht sei schließlich keine Laufkundschaft gewesen und heimste in den vergangenen neun Spielen 23 Punkte ein. Maaßen hat viel zu loben. D/A setzte das um, was es sich vorgenommen hatte. Maaßens Mannschaft stand stabil in der Defensive und setzte im Angriff die viel zitierten Nadelstiche. Manchmal fehlte die Präzision beim finalen Pass. Nur kurz vor Schluss schwammen die Kehdinger in der Abwehr.

Finn-Patrick Gierke scheiterte in der dritten Minute an Norderstedts Torwart Lars Huxsohl. Sieben Minuten später katapultierte Alexander Neumann den Ball volley in den strahlend blauen Himmel über dem Drochterser. Vereinsheim. D/A beherrschte Norderstedt. Die Mannschaft der Stunde erspielte sich im ersten Durchgang keine Chance. Kurz vor dem Seitenwechsel verzogen Neumann und Florian Nagel bei ihren Schussversuchen.

Hektisch wurde die Partie kurz nach Wiederanpfiff. Der Norderstedter Torwart grätschte Jasper Gooßen im Strafraum um. Die Pfeife von Schiedsrichterin Riem Hussein blieb stumm. Zwei Minuten später entschied die Unparteiische auf Elfmeter. Die Proteste der Drochterser hielten sich nach dem Foul von Nico Mau an Jan Lüneburg in Grenzen. Yayar Kunath ließ D/A-Torwart Jannis Trapp keine Abwehrmöglichkeit.

Trapp gab am Sonntag seinen Einstand in der Regionalliga. Sein Einsatz entschied sich erst kurz vor dem Anpfiff. Stammtorwart Patrick Siefkes konnte aufgrund einer Bänderdehnung im Sprunggelenk nicht auflaufen. Beim Warmmachen stellte sich heraus, dass die Verletzung keine lang geschlagenen Bälle zuließ. Dass Siefkes ausfällt, war absehbar. Trapp stand schon vor dem letztendlich abgesagten Spiel gegen Lüneburg vor einer Woche in den Startlöchern. Torwarttrainer Christoffer Schellin sagte Trapp am Freitag, dass er sich mental auf einen Einsatz vorbereiten solle. „Ich habe mich gefreut, spielen zu dürfen. Ich war bereit“, sagt Trapp.

Viel zu tun hatte der 23-Jährige gegen Norderstedt nicht. Eine Faustabwehr in Halbzeit zwei, ein paar Befreiungsschläge, ein paar Abstöße. Gegen den nicht scharf aber platziert geschossenen Elfmeter von Kunath hatte er keine Chance. „Ich hätte lieber zu Null gespielt“, sagt Trapp.

Trapps Gegenüber agierte dagegen überhastet und machte unter Druck keine besonders gute Figur. In der 56. Minute sprang er Jasper Gooßen bei einer Abwehraktion ins Kreuz und ließ Riem Hussein keine andere Möglichkeit, als erneut auf Elfmeter zu entscheiden. Nico Mau drosch seinen dritten Strafstoß in dieser Saison unhaltbar über die Linie.

Nach dem Ausgleich prägten Fouls auf beiden Seiten die Partie. Der Spielfluss stockte. Das Spiel lebte allein von seiner Spannung und nicht etwa von spielerischer Finesse. Höhepunkt war die direkte Rote Karte für Jan Lüneburg. Der foulte den Drochterser Oliver Ioannou und soll ihn danach beim Aufstehen mit der Hand geschlagen haben. Die Schiedsrichterin wertete das offenbar als Tätlichkeit. Ioannou bat Hussein nach dem Spiel, beim Strafmaß gnädig zu sein.

Das zehnte Unentschieden der Saison hilft D/A nur bedingt. Der letzte Sieg ist auf den 20. November 2016 datiert. Damals feierten die Kehdinger das 2:1 gegen Flensburg. Seit sechs Spielen durften die Drochterser nicht mehr so jubeln wie damals. Weil aber bei D/A-Präsident Rigo Gooßen Kampfgeist und Leidenschaft einen hohen Stellenwert genießen, schlägt er jeden Spieler persönlich ab und betätigt sich als Motivator. Gegen Eintracht Norderstedt sei ein 1:1 ein sehr gutes Ergebnis. Die Mienen der D/A-Spieler hellen sich trotz der Rückendeckung nur langsam auf.

Die Statistik

Tore: 0:1 (53. FE) Kunath, 1:1 (57. FE) Mau

SV Drochtersen/Assel: Trapp, Gierke, Serra, Mau, Grahle, Elfers, Ioannou, Winkelmann, Nagel (60. Klee), Gooßen, Neumann (82. Kühn).

Schiedsrichterin: Riem Hussein (TSG Bad Harzburg).

Zuschauer: 802

Nächstes Spiel: VfV 06 Hildesheim – SV D/A (Mi, 29. März, 17.45)

Quelle: Stader Tageblatt