Jans Anpfiff: Legitime Wettbewerbsverzerrung

TAGEBLATT-Sportredakteur Jan Bröhan darüber, was er vom Einsatz der Regionalliga-Spieler der SV Drochtersen/Assel in deren dritter Mannschaft hält.

Klar, es ist Wettbewerbsverzerrung. Aber eine vom DFB legitimierte und gewollte. Und: Alle benachteiligten Vereine, die sich aus guten Gründen aufregen, würden es genau so machen – wenn sie denn könnten.

Dass die SV Drochtersen/Assel am vergangenen Spieltag fünf Fußballer aus ihrem Regionalliga-Kader in der dritten Mannschaft spielen ließ, sorgte schon während des Spiels beim Bezirksliga-Tabellenführer VfL Güldenstern Stade und auch auf den Plätzen im Landkreis für Aufregung. Nach dem 2:1-Sieg von D/A III war die Aufregung freilich noch größer. Im Titelkampf haben die Stader nun drei fest eingeplante Punkte verloren. Abstiegskonkurrenten von D/A III wie der TSV Eintracht Immenbeck oder der FC Mulsum/Kutenholz sehen sich ob solcher Maßnahmen ebenso zurecht benachteiligt.

Die andere Sichtweise ist aber ebenso berechtigt. D/A hatte aufgrund eines Spielausfalls die Möglichkeit, seine unteren Mannschaften zu verstärken. Tat dies mit Spielern, denen Spielpraxis guttut. Und stärkte seine Dritte mehr als die Zweite in der Landesliga, weil es im Abstiegskampf in der Bezirksliga enger zugeht. Natürlich ist D/A bemüht, seinen Unterbau so stark wie eben möglich zu erhalten. D/A ist auch nicht entzückt, wenn die Regionalliga-Mannschaft gegen die zweiten Mannschaften von St. Pauli, HSV und Wolfsburg spielen muss, und da laufen Spieler aus den Profikadern auf.

Dass es an diesem Spieltag nun ausgerechnet den VfL Güldenstern Stade getroffen hat, ist Zufall. D/A hätte seine Dritte auch gegen jeden anderen Gegner verstärkt. Wahrscheinlich nicht gleich mit fünf Spielern. Aber das, als kleiner Trost, darf sich der Titelkandidat der Bezirksliga als eigene Stärke auf die Fahne schreiben.

Quelle: Stader Tageblatt