Überlegen und doch verloren

DROCHTERSEN. D/A war ganz nahe dran, dem großen Favoriten und Tabellenführer der Fußball-Regionalliga ein Bein zu stellen. Chancen hatten die Drochterser für zwei Spiele. Was sagt die alte Fußball-Weisheit? Wer vorne keine Tore schießt, der…

Dass taktische, kämpferische und spielerische Überlegenheit keine Punkte bringt, musste der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel am Freitagabend vor 1005 Zuschauern im Kehdinger Stadion gegen den Spitzenreiter SV Meppen erfahren. D/A verlor 0:2. Die Mannschaft verpasste es, Trainer Enrico Maaßen zum 33. Geburtstag ein besonderes Geschenk zu machen.

Alexander Neumann hatte die Drochterser Führung nach nur sieben Minuten auf dem Fuß. Erst auf dem linken, dann auf dem rechten. Seine Doppelchance vereitelten zunächst zahlreiche dazwischen grätschende Abwehrspieler und final Meppens Torwart Benjamin Gommert. Im Mittelfeld hatte Jasper Gooßen zuvor ein Kopfballduell gewonnen. Den klugen Querpass auf Neumann spielte Jannes Elfers mit viel Übersicht.

D/A attackierte Ball und Gegner weit in der Meppener Hälfte und zerstörte das Angriffsspiel des Spitzenreiters bereits im Ansatz. Trainer Enrico Maaßen vertraute dabei weitgehend auf die Spieler, die zuletzt in Wolfsburg 1:2 verloren. In der Fünfer-Abwehr-Kette vertraute der D/A-Trainer diesmal auf Nikola Serra von Beginn an. Die Außenbahnen hielten Jannes Elfers und Meikel Klee dicht. Im Zentrum standen Nico Mau und Matti Grahle. Marius Winkelmann und Oliver Ioannou sind als defensive Mittelfeldspieler ohnehin gesetzt. Für die kreativen Momente sollten Finn-Patrick Gierke, Jasper Gooßen und Alexander Neumann sorgen.

Bis zur 13. Minute hatten die Kehdinger Ball und Gegner im Griff. Der SV Meppen profitierte vor dem 0:1 von einem Ballverlust im Mittelfeld. Der Drittliga-erfahrene Marius Kleinsorge spielte auf dem Weg zum Drochterser Tor die D/A-Abwehr schwindlig und zog überlegt ab. Der Ball schlug unten links im Tor von Patrick Siefkes ein. Der Schlussmann hatte keine Chance. Das frühe Gegentor stellte den Spielverlauf auf den Kopf.

Die Gastgeber zeigten sich aber nur kurz geschockt. Sechs Minuten nach dem Rückstand warfen sich die Drochterser in die Schussbahn, nachdem Mirco Born aus elf Metern abgezogen hatte. Danach übernahm D/A wieder das Kommando. Ein Flachschuss von Jasper Gooßen lenkte Gommert mit der rechten Hand um den Pfosten. Der Ball trudelte in Zeitlupe am Tor vorbei ins Aus. Die nächste große Möglichkeit kreierte Marius Winkelmann in der 37. Minute, als er Finn Patrick Gierke in Szene setzte. Der Linksfuß zog direkt ab, verfehlte aber das Tor.

Die Partie hatte der Niedersächsische Fußballverband als Sicherheitsspiel eingestuft. Knapp 50 Polizisten aus Stade, Drochtersen, Himmelpforten und von der Bereitschaft aus Lüneburg waren im Stadion. Zu größeren Zwischenfällen kam es allerdings nicht. Mitte der zweiten Halbzeit zündeten einige der 150 mitgereisten Meppener Anhänger Pyrotechnik. Den Polizeieinsatz bezahlt das Land Niedersachsen.

Nach der Pause setzte Maaßen auf noch mehr Offensivdrang und wechselte den wieder genesenen Florian Nagel für Meikel Klee ein. Gierke nahm die Klee-Position ein, Nagel ging ins offensive Mittelfeld. Der Wechsel fruchtete. D/A drückte noch mehr. Ein Missverständnis in der Meppener Defensive bescherte Winkelmann nach 50 Minuten eine Riesenchance. Er versuchte, Gommert mit einem Heber zu überwinden – die falsche Entscheidung. Nach knapp einer Stunde strich ein Linksschuss von Nikola Serra nur ganz knapp am Tor vorbei.

D/A agierte überlegen gegen den Tabellenführer und erspielte sich zahlreiche Möglichkeiten. Meppen kam in dieser Phase nur selten aus der eigenen Hälfte.

In der 67. Minute scheiterte Neumann aus der Distanz an Gommert. Noch in keinem Spiel in dieser Saison erspielte sich D/A so viele Möglichkeiten. Der Spitzenreiter strauchelte. Die 1005 Zuschauer honorierten den Offensivdrang der Gastgeber. Aber ihre Anfeuerungsrufe erstarben abrupt, als Meppen in der 86. Spielminute einen Konter setzte und Max Kremer das 0:2 erzielte.

Meppens Trainer Christian Neidhart räumte ein, dass der Sieg ein hartes Stück Arbeit war. Enrico Maaßen sprach seiner Mannschaft ein Kompliment aus. „Man hat nicht gesehen, dass wir gegen den unangefochtenen Tabellenführer gespielt haben. Wir hatten eine Menge Chancen und Halbchancen.“ Seine Spieler sollten die Köpfe nicht hängenlassen. Im Training werde die Mannschaft daran arbeiten, Tore zu schießen. „Wir brauchen dringend Punkte und müssen Ergebnisse einfahren. D/A-Präsident Rigo Gooßen ordnete die Niederlage in die Kategorie „bitter“ ein. Aber die Leistung sei ein gutes Zeichen. „Wir haben uns mehr als gewehrt. Meppen hat das Spiel durch seine individuelle Klasse entschieden.“ Gooßen meint, die Zuschauer im Stadion haben den zukünftigen Meister gesehen. Meppens Vorsprung auf Rang zwei beträgt mindestens bis Sonnabend 16 Punkte. D/A steht zunächst auf Platz zwölf.

Die Statistik

Tore: 0:1 (13.) Kleinsorge, 0:2 (86.) Kremer

SV Drochtersen/Assel: Siefkes, Klee (46. Nagel), Serra (87. Kühn), Mau, Grahle, Elfers, Ioannou, Winkelmann, Gierke, Gooßen, Neumann.

Zuschauer: 1005

Schiedsrichter: Yannick Rath (Bremen)

Nächstes Spiel: Lüneburger SK Hansa – SV D/A (So., 19. März, 14 Uhr)

 

Drei Fragen an den verletzten D/A-Kapitän

Sören Behrmann, sie mussten sich das Spiel gegen Meppen verletzt auf der Bank ansehen. Haben Sie aufgrund ihrer Pause bereits Entzugserscheinungen?

Na klar. Es kribbelt. Wir haben gegen den Spitzenreiter richtig gut gespielt. In der zweiten Halbzeit kam Meppen gar nicht aus der eigenen Hälfte heraus. Aber Meppen hat gezeigt, dass es eine Spitzenmannschaft ist und hat aus zwei Chancen zwei Tore gemacht.

Wie geht es Ihrem Fuß?

Jeden Tag mache ich Fortschritte. Der Verein macht mir keinen Druck. Den mache ich mir selbst. Bei Sprints und Sprüngen habe ich noch Schmerzen. Ich trainiere mit unserer Physiotherapeutin Katja Sievers. Mir machen viel Stabilisation, Läufe und Koordination.

Sehen wir Sie in dieser Saison noch einmal auf dem Platz?

Das weiß ich nicht. Ich will auch nicht zu früh wieder spielen und mir wieder etwas einfangen. Das Risiko wäre einfach zu groß. Ich will dem Team ja auch helfen. Derzeit versuche ich das vor allem neben dem Platz.

Quelle: Stader Tageblatt (Daniel Berlin)