D/A: Die Krux mit der Regionalliga

DROCHTERSEN. Die Fußballer der SV Drochtersen/Assel sind froh, dass sie drin sind. Die Kicker des SV Meppen wollen sie verlassen. Die Regionalliga Nord. Der Spitzenreiter spielt infrastrukturell in einer anderen Liga als D/A.

Der SV Meppen will raus aus dieser Regionalliga Nord. Auswärts ist der Traditionsverein ein gern gesehener Gast und füllt die Stadien. „Uns ist bewusst, dass wir auswärts ein Highlight sind“, sagt SV-Sprecher Hardy Kloßek. Aber zu Hause in der Hänsch-Arena? Dort lockten vor allem die Zweitvertretungen von Bundesligavereinen kaum einen Zuschauer hinter dem Ofen hervor, so Kloßek. Der Verein jammert dabei auf hohem Niveau. Im Schnitt sehen 2697 Menschen die Heimspiele, zuletzt waren 5213 gegen den Tabellenzweiten VfB Lübeck da. Aber selbst dann ist die Arena nur zu einem Drittel gefüllt. Die Heimspiele von D/A sehen im Schnitt 800 Fußballfans. So viele erwartet D/A-Präsident Rigo Gooßen auch am Freitag.

Meppen unterstützt die Petition, wonach die Meister der Regionalligen aufsteigen sollen, weiß aber, dass der Deutsche Fußballbund (DFB) da nicht mit sich reden lässt. Das hat DFB-Präsident Reinhard Grindel erst vor wenigen Wochen bestätigt. In einer Relegation spielen die Meister der fünf Regionalligen und der Zweite der Südweststaffel drei Aufsteiger aus.

Für potenzielle Sponsoren des SV Meppen fehlt die Strahlkraft in der Regionalliga Nord. „Wie bringe ich Spannung rein in ein Heimspiel gegen den 1. FC Germania Egestorf-Langreder?“, fragt Hardy Kloßek. Da klinge es schon besser, Geldgeber zu einem Spiel gegen RW Essen einzuladen. Überhaupt sei der SV Meppen in der Regionalliga West viel besser aufgehoben. Aktuell verfügt Meppen im Falle eines Aufstiegs in die Dritte Liga über die Zusagen von neuen Sponsoren. Lukrativ sind TV-Einnahmen. Im ersten Jahr würden 800 000 Euro in die Vereinskasse fließen. Regionalligisten gehen leer aus. Das Jahres-Budget des Vereins liegt bei etwa 1,4 Millionen Euro. Aus Drochtersen gibt es keine belastbaren Zahlen.

Das Spieler-Modell

Seit dieser Saison spielen beim SV Meppen keine Vollprofis mehr. Damit verfolgt der Club eine ähnliche Strategie wie die SV D/A. Allerdings sind die Strukturen verschieden. Meppens Trainer Christian Neidhart bittet täglich um 15.30 Uhr zum Training. Dreiviertel der Spieler sind bei örtlichen Sponsoren des Vereins angestellt, arbeiten tagsüber und genießen den nötigen Freiraum, um Fußball zu spielen. Der Rest sind Studenten oder Auszubildende. Der SV Meppen kooperiert mit der Bundesagentur für Arbeit. Junge Spieler aus dem Nachwuchsteam des Jugendleistungszentrums Emsland, die es nicht in die erste Mannschaft schaffen, erhalten von der Bundesagentur ein Coaching und werden auf ihre berufliche Karriere vorbereitet.

D/A-Coach Enrico Maaßen ruft seine Spieler in der Regel drei- bis viermal pro Woche abends zusammen. Aus Hamburg, Lüneburg, Bremen oder Stade reisen sie an und haben einen normalen Arbeitstag oder einen Tag an der Uni in den Knochen. „Solche Bedingungen wie in Meppen wären ein Traum. Die hätte ich auch gern“, sagt Maaßen. Ein Vergleich beider Mannschaften sei ohnehin nicht möglich. D/A sei der Dorfclub, Meppen der Traditionsverein. Das Einzige, was beide verbindet, sei die gleiche Liga.

Der Trainer- und Betreuerstab

Meppens Trainer und sportlicher Leiter Christian Neidhart und Co-Trainer Mario Neumann sind fest angestellt. Das Betreuer-Team erledigt seine Arbeit ehrenamtlich. Die Spieler sollen sich auf Fußball konzentrieren. Die Betreuer kümmern sich vor jedem Training und jedem Spiel um die Ausrüstung. Nach jedem Training und nach jedem Spiel waschen sie die Spielerkleidung. Das was die Kicker brauchen, passt in einen Kulturbeutel.

In Drochtersen gehen Enrico Maaßen, Co-Trainer Markus Zimmermann und Torwart-Trainer Christoffer Schellin einem Hauptjob nach. Die Betreuer Andreas Heinsohn und Michael Feyerherd ebenso. Die Spielkleidung hängt nur vor Heimspielen in der Umkleidekabine bereit. Die Spieler waschen die Trainingskleidung selbst. Kleine Anekdote: In jedem Sommertrainingslager stellen sich die neuen Spieler der Mannschaft ausführlich vor und dürfen dabei auch erzählen, was sie im Vergleich zu ihrem vorherigen Verein vermissen. Ganz oben steht das Wäschewaschen.

Die Geschäftsstelle

Der SV Meppen verfügt über einen hauptamtlichen Geschäftsstellenleiter und eine Halbtagskraft, die sich um Marketing und Sponsoring kümmert. Zwei Honorarkräfte arbeiten in der Geschäftsstelle und als Medienbeauftragter. D/A hingegen ist komplett ehrenamtlich aufgestellt. Zweimal im Jahr treffen sich Vertreter aller Regionalligaclubs. Die Ehrenamtlichen der SV D/A gelten dabei immer als die Exoten.

Die Tradition

Meppen steht für Tradition. Aufstiege, Abstürze und Neuanfänge prägen die Geschichte des Vereins. Nach jahrzehntelangem Auf und Ab schaffte der SV Meppen im Jahr 1987 erstmals den Sprung in die Zweite Fußball-Bundesliga. 1995 verpasste die Mannschaft unter dem damaligen Trainer Horst Ehrmanntraut knapp den Aufstieg in Liga eins. Nach einer Insolvenz stieg Meppen als Oberliga-Meister im Jahr 2011 in die Regionalliga auf. Die SV Drochtersen/Assel gibt es seit nunmehr genau 40 Jahren. Platz vier im ersten Regionalligajahr 2015/2016 und der Gewinn des Landespokals sind die größten Erfolge der Vereinsgeschichte.