Jetzt ist Marius Winkelmann ein Kehdinger Jung

DROCHTERSEN. Marius Winkelmann (26) vom Fußball-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel ist vor seinem Engagement in Kehdingen herumgekommen und weiß deshalb, was andere Mannschaften von der SV D/A halten und wie sie es hassen, gegen den Tabellenelften zu spielen.

„Niemand hat Lust, gegen D/A zu spielen“, sagt Winkelmann. Vorsichtig ausgedrückt. Neben dem Platz ganz zahm, tauschen die Spieler auf dem Rasen die Rollen und werden zu den ekligen Gegnern, die auch D/A-Trainer Enrico Maaßen immer wieder sehen will. Die Drochterser sind laut, piesacken die Konkurrenz 90 Minuten lang mit Sprüchen oder aggressiver Spielweise. „Jetzt habe ich selbst diese Mentalität angenommen“, sagt Winkelmann. Aber nur auf dem Rasen. Daneben sagt er, sei er eher der ruhige und zurückhaltende Typ.

D/A habe sich allerdings längst den Respekt der Gegner verdient. Nur die zweiten Mannschaften von Bundesligaclubs verzweifeln in der Regel noch an der Drochterser Robustheit, weil sie spielerisch Vorteile haben, diese gegen D/A aber nicht ausspielen können. „Die sind von der Zweikampfhärte nicht begeistert“, sagt Winkelmann. Am Sonnabend ab 14 Uhr wollen die Drochterser der Bundesligareserve des VfL Wolfsburg im AOK-Stadion wieder die Tränen in die Augen treiben.

Winkelmann ist derzeit gesetzt im Drochterser Kader. Im defensiven Mittelfeld sorgt er für Stabilität. Spektakuläres ist von dem 26-Jährigen nicht zu erwarten. Das sei aber auch nicht seine Aufgabe, sagt er. Trainer Maaßen verlangt von ihm die klaren und einfachen Aktionen. Winkelmann verstrickt sich nicht in Dribblings, sondern gibt den Ball im Angriff schnell weiter. Defensiv zerstört er den Spielaufbau des Gegners. Dabei war Winkelmann bei seinen früheren Vereinen durchaus torgefährlich. In der Saison 2013/2014 erzielte er für den BSV BW Rehden immerhin sieben Tore. Für D/A traf er in 18 Spielen erst ein Mal.

Als 17-Jähriger entschied sich Marius Winkelmann, Fußball mehr als nur aus Hobby zu spielen. „Ich wollte Profi werden“, sagt er. Er spielte in der Jugend beim SC Weyhe und dem FC Oberneuland. Für den FC kickte Winkelmann zudem in der Regionalliga. Angebote von Bundesliga-Zweitvertretungen schlug er danach aus und entschied sich, zum VfB Lübeck zu wechseln. Das eine Jahr beim VfB lief durchwachsen, das halbe Jahr danach beim VfB Oldenburg sportlich schlecht. Erst in Rehden startete Winkelmann 2013 durch. Zwei Jahre später kehrte er nach Oldenburg zurück und kam 2016 schließlich zur SV D/A. Den Traum vom bezahlten Fußball hat er mittlerweile aber zu den Akten gelegt. Schon aufgrund seines fortgeschrittenen Alters. „Ich bleibe, wie es aussieht ein weiteres Jahr in Drochtersen“, sagt Winkelmann.

Parallel zum Fußball bastelt Winkelmann an seiner beruflichen Karriere. Er lebt in Bremen und studiert Betriebswirtschaftslehre an der Fern-Uni in Oldenburg. Der Studiengang ist extra für Leistungssportler ausgelegt. Das Studium schult den Charakter. Winkelmann lernt Selbstdisziplin. Eine große Portion Eigenmotivation und Fleiß gehören zu seinen Eigenschaften, weil er selten einen Dozenten nach Rat fragen kann und sich sein Wissen selbst erarbeiten muss. „Das lässt sich gut auf den Fußball übertragen“, sagt Winkelmann.

Der 26-Jährige freut sich auf die nächste Herausforderung in Wolfsburg. Dreimal standen sich beide Teams bereits gegenüber, alle drei Spiele endeten Unentschieden. Nach dem Gesetz der Serie könnte D/A am Wochenende wenigstens in einer Kategorie mit einem Spitzenreiter gleichziehen. Der TSV Havelse führt nämlich mit zehn Remis die Unentschieden-Wertung vor D/A mit neun an. Aber ein Punkt in Wolfsburg wäre nicht die schlechteste Ausbeute.

D/A spielt beim VfL Wolfsburg II

D/A-Trainer Enrico Maaßen muss am Sonnabend ab 14 Uhr, AOK Stadion, gegen den VfL Wolfsburg II auf Sören Behrmann, Laurens Rogowski und Florian Nagel verzichten. Das erleichtert nicht gerade die Jagd auf die nächsten Auswärtspunkte. Die Drochterser haben in dieser Saison in neun Auswärtspartien nur einen Sieg erzielt und vier Mal verloren. In der Auswärtstabelle belegt D/A entsprechend nur Rang 15. Der VfL Wolfsburg II ist dagegen einer der heimstärksten Vereine der Regionalliga. In elf Spielen holte das Team von Trainer Rüdiger Ziehl 25 Punkte. „Das emotionale Spiel, das wir zu Hause zeigen, müssen wir auch auswärts hinbekommen“, fordert Enrico Maaßen. Drochtersen sei gegen das Team mit dem vermeintlich höchsten Marktwert der Liga (knapp sechs Millionen Euro, D/A liegt laut transfermarkt.de bei 1,4 Millionen) klarer Außenseiter. „Aber wir sind bereit für einen großen Kampf“, so Maaßen.

Quelle: Stader Tageblatt