DFB-Präsident sieht wackelige D/A-Defensive

DROCHTERSEN. Der Regionalligist SV Drochtersen/Assel hat sich mit einem 1:1 gegen den 1. FC Germania Egestorf/Langreder aus der Winterpause zurückgemeldet. 600 Zuschauer sahen eine schwache Defensive und einen prominenten Gast.

D/A-Torwart Patrick Siefkes lächelt müde über das Kompliment von DFB-Präsident Reinhard Grindel. Grindel sagt, Siefkes habe Drochtersen einen Punkt gerettet. In den ersten zehn Minuten boxt der Schlussmann die hohen und gefährlichen Bälle aus seinem Strafraum. In der 19. Minute hält er einen Unhaltbaren, weil er instinktiv in die Bahn von Torben Engelkings Schuss springt. Sechs Minuten vor der Halbzeit lenkt Siefkes einen Schuss von Christoph Beismann mit den Fingerspitzen über die Latte. Der 27-Jährige entschärft nach gut einer Stunde eine Flanke, bevor der Egestorfer Stürmer einschieben kann und pariert in der 72. Minute einen Knaller von Jan Bassler. Siefkes ist zwar nicht frei von Fehlern, aber er ist der beste Drochterser auf dem Platz.

Vielversprechender Beginn

Dabei beginnt die Partie gegen den Aufsteiger vielversprechend. D/A läuft in der 13. Minute einen schnellen Konter über die rechte Seite. Die Flanke von Oliver Ioannou unterschätzt FC-Torwart Julian Lenz. Durch Zufall landet der Ball direkt auf dem Kopf von Alexander Neumann, der aus acht Metern einnickt.

„Das Gegentor haben wir uns gefühlt selbst reingehauen“, sagt Siefkes. Im Spielaufbau zeigt D/A an diesem Tag Schwächen. Beim Passspiel der Abwehrreihe geht mehrfach ein Raunen durch das kritische Kehdinger Publikum. In der 23. Minute spielt Matti Grahle einen schlechten Pass auf Nico Mau. Der könnte die Situation mit einer Rückgabe zum Torwart oder einem Befreiungsschlag retten, tut es aber nicht. Mau verliert den Ball und Grahle stoppt Dominik Behnsen auf Kosten eines Strafstoßes. Siefkes streckt sich, Zentimeter fehlen. Beismann schießt den Elfmeter zu platziert in die rechte Ecke.

„Wir haben zu viele Fehler im Spielaufbau gemacht“, sagt Siefkes. Torschütze Alexander Neumann nennt das Remis „glücklich“. D/A habe Egestorf nicht sein Spiel aufgezwängt. „Wir wollten aggressiver sein und viel aktiver“, sagt Drochtersens Trainer Enrico Maaßen. Aggressiv spielt am Sonntag Egestorf. Spritziger, gedankenschneller, präziser, zweikampfstärker. Das Chancenverhältnis spricht klar für die Germania. Alexander Neumanns Tor einmal ausgenommen, kreiert D/A im ersten Spielabschnitt zwei nennenswerte Gelegenheiten und nach der Pause einen Schuss von Marius Winkelmann, der weit am Tor vorbeigeht.

So gerät die Einwechslung von Rückkehrer Danny-Torben Kühn in der 80. Minute zum Höhepunkt der zweiten Halbzeit. Bereits als Maaßen ihn ruft, applaudieren die Fans. Als Kühn an der Tribüne vorbeiläuft, wird er gefeiert. Als er den Ball kurz vor Schluss um eine Fußspitze verfehlt, bleibt den Fans der Jubelschrei im Halse stecken.

Die Statistik

Tore: 1:0 (13.) Neumann, 1:1 (23., FE) Beismann.

SV D/A: Siefkes, Klee, Rogowski, Mau, Grahle, Elfers, Ioannou, Zöpfgen (46. Winkelmann), Nagel (62. Gierke), Neumann (80. Kühn), Gooßen.

Schiedsrichter: Fynn Kohn (Husumer SV)

Zuschauer: 600

Nächstes Spiel: FC St. Pauli II – D/A (Sonnabend, 11. Februar, 14 Uhr).

 

D/A kredenzt dem DFB-Präsidenten eine Bratwurst

DFB-Präsident Reinhard Grindel verfolgte die Partie auf der Haupttribüne neben D/A-Präsident Rigo Gooßen. Nach dem Abpfiff ordnete Grindel das Ergebnis in die Kategorie „leistungsgerecht“ ein. Teilweise habe Drochtersen gut gespielt, allerdings habe der letzte Pass gefehlt. Ein großes Kompliment sprach Grindel D/A-Torwart Patrick Siefkes aus: „Er hat Drochtersen einen Punkt gerettet.“

Der DFB-Präsident hatte sein Versprechen wahr gemacht und besuchte das erste D/A-Spiel im neuen Jahr. Bereits das DFB-Pokalspiel gegen Borussia Mönchengladbach wollte er sich ansehen, reiste damals aber zu den erfolgreichen deutschen Fußballern bei den Olympischen Spielen in Brasilien. Grindel lobte seinerzeit die Stadion-Bratwurst. Stilecht servierte ihm D/A am Sonntag eine Portion.

Grindel gab sich beeindruckt davon, was in Drochtersen entstanden ist. „Dass D/A so stabil und so erfolgreich ist, hätten viele nicht gedacht“, sagt er. Der DFB werde sich etwas überlegen, dem Amateurfußball zu einer Renaissance zu verhelfen. Grindel verwies auf den Non-League-Day in England. Einen Tag und eine Anstoßzeit haben die Amateure dabei für sich allein. „Es ist eine wichtige Botschaft, dass sich der DFB Gedanken macht“, sagt Rigo Gooßen.

Thema in einer kleinen Runde mit Politikprominenz und Sportfunktionären aus der Region war zudem die Struktur der dritten und vierten deutschen Liga. Grindel ist ein Befürworter der aktuellen Regelung, wonach aus der dritten Liga drei Mannschaften absteigen und in fünf Regionalligen drei Aufsteiger gesucht werden. Die Regionalliga sieht Grindel als oberste Amateurklasse an. Rigo Gooßen räumte ein, dass D/A eine Saison in der dritten Liga theoretisch finanziell überstehen könnte, weil Auflagen wie Flutlicht, Zuschauerkapazität und Rasenheizung erst im zweiten Jahr griffen. Grindel schätzte, dass das Budget eines Drittligaclubs bei mindestens zweieinhalb bis drei Millionen Euro liegt. „Bei einem Aufstieg muss auch wirtschaftliche Vernunft gelten“, sagt der DFB-Präsident.

Quelle: Stader Tageblatt