Das hitzige Derby von Assel

DROCHTERSEN. HSV GEGEN ST. Pauli, Chelsea gegen Arsenal oder Fenerbahçe gegen Galatasaray: Stadtderbys begeistern die Fußballfans weltweit. So auch in Assel, wo die sechste Mannschaft der SV Drochtersen/Assel auf die Vereinskollegen der Fünften traf.

Sonnabend, 18 Uhr, Temperaturen um den Gefrierpunkt, leichter Nieselregen und rund 100 Zuschauer auf dem Asseler Platz unter Flutlicht. Perfekte Voraussetzungen für das Vereinsderby in der 2. Kreisklasse. 27. Minute, Jannek Strasser, Angreifer bei D/A V, bekommt den Ball auf halbrechter Position mit dem Rücken zum gegnerischen Tor. Sinan Brandt, Verteidiger der sechsten Mannschaft, attackiert Strasser von hinten und trifft ihn an der Wade. Strasser schreit auf und hält sich das lädierte Bein. Folgerichtig entscheidet der Schiedsrichter auf Freistoß für D/A V und zeigt Brandt die Gelbe Karte. Es sollte nicht die einzige in diesem Spiel bleiben.

Die Rivalität der fünften und sechsten Mannschaft der SV Drochtersen/Assel lässt sich bis in die Jugend zurückverfolgen. Dort haben viele Spieler aus beiden Mannschaften noch zusammen auf dem Platz gestanden. Gerade deswegen ist ihnen der Sieg im Derby so wichtig. „Natürlich sind meine Spieler besonders motiviert, wenn es gegen die Fünfte geht“, sagt Frank Reher, Trainer der sechsten Mannschaft, nach dem Spiel. Unter den Zuschauern befindet sich auch die U 19-Mannschaft der SV Drochtersen/Assel, die sich das Vereinsderby nicht entgehen lassen will. Vielleicht sind sie es, die zukünftig in diesem prestigeträchtigen Derby antreten werden.

Dass sich alle Akteure auf dem Rasen gut kennen und um die Stärken und Schwächen des Gegners wissen, wird auch während des Spiels deutlich. In der ersten Halbzeit neutralisieren sich die beiden Teams weitestgehend. Der Ball wird häufig im Mittelfeld gehalten und keine der beiden Mannschaften wagt Vorstöße in den gegnerischen Strafraum. Häufig wird das Spiel aufgrund von Fouls unterbrochen und es kommt kein Spielfluss zustande. Torchancen sind bis zur Mitte der ersten Halbzeit Mangelware. Passend zum Spielverlauf fällt das entscheidende 1:0 für die sechste Vertretung von D/A dann auch eher zufällig. In der 38. Minute wird der Ball durchgesteckt auf den gestarteten Christian Kluth, der freistehend den gegnerischen Torhüter anschießt. Dieser kann den Ball aber nur nach vorne abwehren, wo Sascha Rinne genau richtig steht und das Spielgerät nur noch über die Linie schieben muss. Die Zuschauer schreien auf und der Torschütze feiert sein Tor ausgiebig mit den Mitspielern.

In der zweiten Halbzeit beginnt das Spiel, wie es in der ersten aufgehört hat. D/A V hat etwas mehr Ballbesitz und versucht, sich Torchancen herauszuspielen. Die Sechste hält jedoch gut dagegen und verteidigt sehr kompakt. Immer wieder wird der Spielfluss durch Nickeligkeiten, grobe Fouls und Diskussionen mit dem Schiedsrichter unterbrochen. Kurz vor Schluss sieht Malte Hempel, Mittelfeldspieler der Fünften, wegen Meckerns mit dem Schiedsrichter die Gelb-Rote Karte. Das Spiel endet nach einem verunglückten Freistoß der fünften Mannschaft mit 1:0 für die Heimmannschaft: D/A V.

Nach dem Spiel feiert die Gewinnermannschaft noch kurz mit ihren Fans, bevor es in die warme Kabine geht. Marco Wist, Kapitän der sechsten Mannschaft, holt beide Teams noch für ein gemeinsames Foto zusammen. „Die Fünfte hat jetzt natürlich so kurz nach Abpfiff keine Lust auf ein Foto. Nachher wird aber wieder alles gut sein und wir werden heute Abend bestimmt noch zusammen feiern.“

Die beiden Trainer sind nach Abpfiff froh, dass sich trotz der eisigen Temperaturen so viele Zuschauer für das Spiel begeistern konnten. Besonders stolz macht Frank Reher die Tatsache, dass die sechste Mannschaft in der Tabelle nun vor der Fünften steht – und das bei einem Spiel weniger.

Quelle: Stader Tageblatt