Alphatier Sören Behrmann vor dem Comeback

DROCHTERSEN. Der Oberschenkel macht noch Zicken, der Muskelfaserriss wirkt nach. „Es fühlt sich noch komisch an“, sagt Sören Behrmann (26). Der Kapitän des Fußball-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel steht aber kurz vor seinem sportlichen Comeback.

Behrmann traut sich nicht, seinen Oberschenkel voll zu belasten. Die Verhärtung ist noch spürbar. Deshalb zählt der vorsichtige Einsatz nach sechswöchiger Leidenszeit am vergangenen Wochenende bei der zweiten Mannschaft in der Landesliga höchstens als erster Gehversuch. Behrmann sagt selbst, dass er nach einer Stunde rausgemusst hätte. Am meisten wurmt ihn aber, dass er in Normalform seinen Gegenspieler am Treffer zum 1:2 nach gut 70 Minuten gehindert hätte. So kommt der erste persönliche Härtetest unter Wettkampfbedingungen als Misserfolg daher. Behrmann fängt nach seiner Verletzungspause zwar nicht bei Null an, muss sich aber für die Regionalliga die nötige Fitness holen.

Noch keine Option für die Startelf

Am Sonntag steht der Innenverteidiger im Kader. „Für die Startelf reicht es noch nicht“, sagt Behrmann. Wenn D/A ab 14 Uhr im Kehdinger Stadion Aufsteiger Lupo Martini Wolfsburg empfängt, nimmt der Capitano zunächst auf der Bank Platz. Mannschaftsarzt Rik van den Daele und Physiotherapeutin Katja Sievers leisteten wochenlang Schwerstarbeit bei Behrmann. Mal wieder. Der Kapitän schleppte sich schon durch den Sommer mit Problemen am Fuß.

D/A braucht die Fähigkeiten seines Alphatieres. Des Mannes, der in der Innenverteidigung die Kommandos gibt, der seine Vorderleute richtig zum Gegner stellt, der Motivator ist und der auf dem Platz und neben dem Rasen als Identifikationsfigur gilt. Behrmann ist ein Drochterser Jung.

Erst vor einigen Tagen hat ihm ein Vereinsmitglied erzählt, wie sehr die Kinder bei D/A auf die Regionalligaspieler schauen, sie als Vorbilder sehen und ihre Trikots im Fanshop kaufen. Ein Junge hütet einen Fußballschuh Behrmanns wie seinen Schatz. Neben Behrmann ist Nico Mau solch ein lokales Idol, auch Jannes Elfers und Jasper Gooßen. Ähnlichen Kultstatus erspielten sich von den Auswärtigen, die bei D/A kicken, nur Danny-Torben Kühn und Thomas Johrden. Beide haben im Sommer im Zenit ihrer Karriere aufgehört. „Es ist cool, im Dorf ein Vorbild für die Kinder zu sein“, sagt Behrmann.

Behrmann lebt D/A

Behrmann ist D/A. Sein Whats-App-Status grüßt in Blau-Rot, sein Facebook-Account sowieso. Vor sechs Jahren kam der heute 26-Jährige aus der Talentschmiede von Eintracht Braunschweig nach Kehdingen zurück. Kurze Zeit später übernahm er die Kapitänsbinde. Er organisiert mit Mitspieler Oliver Ioannou das Wintertrainingslager im Januar auf Mallorca, die Saison-Abschlussfahrt auf die Balearen-Insel und in nächster Zukunft den Mannschaftsabend auf dem Kiez in Hamburg. Außerhalb des eigenen Vereins trat er vor einigen Tagen für einen Versicherer als Markenbotschafter auf und übergab in Himmelpforten den diesjährigen Fairnesspreis.

„Sören ist schwer ersetzbar“, sagt Enrico Maaßen. Der D/A-Trainer bezieht sich dabei nicht nur auf die fußballerischen Fähigkeiten seines Kapitäns. Vor dem Menschen Behrmann hat Maaßen Hochachtung. So wünsche sich ein Trainer seinen Kapitän.

Dabei gehört es zum Selbstverständnis Behrmanns, dass er sich in den Dienst der Mannschaft stellt. Verletzungsbedingt verpasste er die erfolgreichste Phase dieser Saison und stellt sich entsprechend hinten an, wenn es um die Stammplätze geht. „Die Jungs machen das richtig gut. Ich muss auch als Kapitän nicht unbedingt spielen“, so Behrmann.

Lupo Martini

D/A trifft am Sonntag um 14 Uhr im Kehdinger Stadion auf den Aufsteiger Lupo Martini Wolfsburg. Drochtersens Trainer Enrico Maaßen muss dabei auf seinen rechten Außenverteidiger Meikel Klee (Gürtelrose) verzichten. Neben den Langzeitverletzten Henry Sung und Nikola Serra fehlen zudem Laurens Rogowski und Kevin Krottke. Rogowski hat nach einem Pressschlag noch Probleme mit seinem Fuß, Krottke riss sich während des Spiels bei Hannover 96 II das Außenband im Sprunggelenk. Matti Grahle soll nach langer Auszeit Spielpraxis in der dritten Mannschaft sammeln. Stürmer Jasper Gooßen kehrt nach seiner dreiwöchigen Rot-Sperre zurück in den Kader. „Wir müssen also wieder ein wenig zaubern, wie bereits in den vergangenen Wochen“, sagt Enrico Maaßen.

Lupo Martini Wolfsburg hat sich als Aufsteiger schnell in der Regionalliga akklimatisiert. Die Mannschaft hat von den letzten zehn Spielen nur eines verloren. Enrico Maaßen erwartet gegen Lupo ein enges Spiel.

In der Drochterser Aufstiegssaison 2014/15 trafen beide Mannschaften in der Oberliga das letzte Mal aufeinander. Das Hinspiel gewann D/A im Kehdinger Stadion durch Tore von Finn-Patrick Gierke und Thilo Gooßen mit 2:1. Kurz nach dem 5:2-Auswärtserfolg im Rückspiel feierte D/A die Meisterschaft.

Quelle: Stader Tageblatt