Bützflether Buben im Duell

HAMMAH/DROCHTERSEN. Das Topspiel der Fußball-Kreisliga Stade ist das Duell zwischen Aufsteiger SV Drochtersen/Assel IV (4.) und dem MTV Hammah (2.). Es ist auch das Duell zweier Kumpels. Die Trainer Björn Apmann und Marcus Wendt kennen sich seit der Sandkistenzeit. Beide stehen für den Erfolg ihrer Teams. Wendt verbindet mit dem MTV gar eine Wiederauferstehung. Dabei sind beide eigentlich Urgesteine des TuSV Bützfleth.

Björn Apmann und Marcus Wendt sind echte Bützflether Buben. Die beiden 38-Jährigen sind zusammen in den Kindergarten gegangen, haben in der F-Jugend zusammen beim TuSV Bützfleth mit dem Fußballspielen begonnen. Ihre befreundeten Väter spielten ebenso beim TuSV. Apmann und Wendt blieben ihrem Heimatverein treu – bis Apmann 2013 von D/A gelockt wurde, bis Wendt 2007 in Hammah zum Eigenheimbesitzer wurde.

Dass es Wendt nach Hammah zog, sollte sich für den MTV als Glücksfall entpuppen. Wendt kommt, als sich der MTV im freien Fall befindet. In der Saison 2005/06 feiert der MTV Hammah noch die Kreismeisterschaft. Die folgende Saison in der Bezirksklasse endet aber mit dem sofortigen Abstieg. 2007 wechselt Wendt vom TuSV Bützfleth als Häuslebauer zum MTV Hammah, spielt aber kaum Fußball, weil er auf Montage ist. Die Kreisliga-Mannschaft zerfällt. So bilden Wendt und Co. für die Saison 2008/09 eine neue Mannschaft aus den verbliebenen Willigen und der zweiten Mannschaft. Das Team übernimmt den Startplatz in der 3. Kreisklasse, wo die Zweite zuvor spielte. Wendt wird Obmann und treibt die Entwicklung an.

In der Saison 2009/10 meldet der MTV wieder eine zweite Mannschaft, mit vielen Ü40- und Ü50-Spielern. „Alles, was früher mal gegen den Ball getreten hat“, sagt Wendt. Die Erste wird Meister. Wendt erzielt 37 Tore, reiht sich in der vereinsinternen Bestenliste auf Platz drei ein hinter Malte Kristensen (41, Saison 2011/12) und Marcus Lütje (40, Saison 1995/96). Es scheint wieder aufwärts zu gehen. Doch Rückschläge folgen prompt. Trainer, Co-Trainer und Betreuer hören bei der Meistermannschaft auf. „Da wurde der Druck groß“, sagt Wendt. Vorstand und Vereinsmitglieder fordern die Zusammenschließung mit dem MTV Himmelpforten. Wendt und die Mannschaft weigern sich. Sie holten Helmut Rogge als Trainer und bauen einen Betreuerstab für die beiden Fußballmannschaften auf. Nach der Saison 2010/11 fehlt dem MTV ein Tor für den Durchmarsch in die 1. Kreisklasse. Das Thema Fusion mit dem MTV Himmelpforten ist nicht vom Tisch. „Da habe ich bei der Jahreshauptversammlung das Ziel Kreisliga verkündet“, sagt Wendt. Er erntet Gelächter.

Wendt und seine Mitstreiter gehen in die Offensive. Sie führen Gespräche mit fast allen Gewerbetreibenden im Ort und erarbeiten ein Sponsoring-Konzept. In der Saison 2011/12 gibt es auf dem Sportplatz wieder Bratwurst und Bier, eine Vereinszeitung wird gedruckt, die Facebookseite – mittlerweile mit fast 1500 Followern – wird aufgebaut. Wendt überzeugt alte Hammaher Leistungsträger, wie Michael Brunsch, Marcus Lütje oder Ralf Studier auszuhelfen. Der MTV wird pünktlich zum Schützenfest 2012 Meister – und das in Wendts Heimatdorf Bützfleth. „Als der Gastwirt erfuhr, dass wir mit einem Reisebus auf dem Weg zu ihm sind, schloss er blitzschnell die Kneipe“, erzählt Wendt.

Trainer Rogge wird abgeworben. Wendt überzeugt in einem Vier-Stunden-Gespräch Paul Spee. Der MTV marschiert durch in die Kreisliga. Dort wird in der Saison 2013/14 in letzter Minute der Klassenerhalt geschafft. „Für mich persönlich ist das der wichtigste Tag der jüngeren Vereinsgeschichte“, sagt Wendt. Die Zweite schafft zudem den Aufstieg in die 3. Kreisklasse. Spee hört aus beruflichen Gründen auf, Rogge kommt zurück. Doch es passtenicht zwischen dem Trainer und der Mannschaft. Wendt und Rogge „trennen sich im Guten“. So übernimmt Wendt, der Allesmacher, zusammen mit Spielertrainer Fillippo Callerame am siebten Spieltag der Saison 2014/15. Am Ende springt Platz fünf heraus. Wendt formuliert als mittelfristiges Ziel den Bezirksliga-Aufstieg. 2015/16 meldet der MTV eine dritte Mannschaft. Heiko Reinboth wird Obmann, der Trainer- und Betreuerstab wird auf 15 Verantwortliche erweitert. Wendt übernimmt die Leitung der Fußballsparte und das Traineramt…

Wendt freut sich, dass der MTV Hammah für die Zukunft gut aufgestellt ist. Eine starke Jugend steht in den Startlöchern. Durch die Fördergelder wurde eine intakte Infrastruktur geschaffen: „Ein schönes Vereinsheim, wir haben Materialien, die Mannschaften werden eingekleidet, wir können jährlich ins Trainingslager nach Barsinghausen“, zählt Wendt auf. Er investiert täglich zwei Stunden für den MTV, an Spieltagen natürlich mehr.

Ein Bützflether Bube stellt sich in den Dienst des MTV – weil er den Dorfverein sofort liebgewonnen hat und das Potenzial erkannte. „Wir hatten sogar in der 3. Kreisklasse 80 Zuschauer – da habe ich nur gedacht: Hey, was ist denn hier los“, erzählt Wendt. Der Fußball vereine das Dorf. Er selbst sei ein „alter Haudegen“ gewesen, der in jungen Jahren lieber feierte. Heute will er der Fußballjugend etwas bieten, Talente sollen sich entwickeln können.

„Ich habe Marcus immer im Organisatorischen gesehen“, sagt sein Freund Apmann über den heutigen Airbus-Manager. Es sei schon imposant zu beobachten, was sich beim MTV getan hat. Apmann selbst wechselte 2013 zu der topgeführten SV Drochtersen/Assel und übernahm die vierte Mannschaft. „Das habe ich mir nicht leichtgemacht als Bützflether“, sagt Apmann. Dafür müsse er sich gelegentlich immer noch Sprüche von Nachbarn anhören. Aber Apmann hat wie sein Kumpel Wendt „seine Berufung“ gefunden. „Das ist meine Mannschaft“, sagt Apmann und lobt die Gemeinschaft.

Nun freuen sich die Freunde auf ihr erstes Duell als Trainer. „90 Minuten Emotionen“, sagt Apmann. Danach gibt’s ein Bier.

Der Spieltag: VfL Güldenstern II – Lühe (Fr. 19.30 Uhr), Bliedersdorf – Bützfleth (Sbd. 17 Uhr), D/A IV – Hammah (Sbd. 17.30 Uhr), Bargstedt – Harsefeld II , Himmelpforten – A/O II, Hagen – Apensen, Jork – Hedendorf/Neukloster II, Deinster SV – Horneburg (alle So. 14 Uhr).

Quelle: Stader Tageblatt