0:0 in Norderstedt: mutig nach vorne – ohne Erfolg

Die SV Drochtersen/Assel hat bei Eintracht Norderstedt ein starkes Spiel abgeliefert, kam trotz ihrer Dominanz aber nicht über ein 0:0 hinaus. Trainer Enrico Maaßen trauerte dem verpassten Sieg nach – und war richtig böse mit einem seiner besten Spieler. Zuerst einmal lobte Enrico Maaßen aber den „brutal guten“ Auftritt der SV Drochtersen/Assel am zehnten Spieltag der Fußball-Regionalliga beim FC Eintracht Norderstedt.

Der Trainer benotete die Leistung seiner Mannschaft mit der Schulnote 1. „Das war eine Eins ohne Sternchen“, so Maaßen wörtlich.

Und über das nicht vergebene Sternchen regte sich der sonst so sachliche und aufgeräumte Maaßen mehr auf als sich über die gelobte Leistung zu freuen. Das Sternchen hätten sich die Drochterser verdient durch das siegbringende Tor. So musste die bessere Mannschaft sich mit einem torlosen Unentschieden und einem dazugewonnenen Pünktchen zufriedengeben.

Elfers klärt auf der Linie

Dass Mannschaften bestraft werden, die ihre Chancen liegen lassen, bewahrheitet sich im Fußball regelmäßig. D/A hätte es fast erwischt. In der 86. Minute klärte Jannis Elfers einen Kopfball aus dem Getümmel heraus auf der Linie. FC-Stürmer Jan Lüneburg fiel der Ball zentral im Strafraum vor die Füße, doch er drosch ihn weit übers Tor. Norderstedt geht die Torgefahr derzeit noch mehr ab als D/A.

Diese Szene war die einzig erwähnenswerte Chance, die sich die Eintracht herausspielte. Im Grunde hätte es nicht einmal zu Elfers-Rettungstat kommen dürfen, weil Lüneburg zuvor schon einmal klar den Arm im Spiel gehabt hatte. „Da hatten wir das nötige Glück“, sagte Maaßen und regte sich im Zuge dessen nochmals über die vergebenen Chancen seiner Mannschaft auf.

D/A hätte mit einem oder zwei erzielten Toren gar nicht in eine solche Situation kommen dürfen. Norderstedts Trainer Thomas Seeliger trauerte genau dieser Szene nach. Den Sieg hätte die Eintracht aber nicht verdient gehabt. D/A investierte mehr, erspielte sich ein großes Chancenplus. „Wir haben große Leidenschaft gezeigt“, sagte Maaßen, „es ist nur traurig, dass wir uns nicht belohnen konnten.“

In Hälfte eins setzte D/A den Gastgeber schnell unter Druck, presste frühzeitig. Die eh wackelige Spieleröffnung der Eintracht unterbanden die Drochterser mit kleinen, ekeligen Fouls. Norderstedt kam so gar nicht erst zur Entfaltung. Seeliger war außer sich vor Wut ob der Drochterser Gangart. „Wie oft dürfen die das noch?“, schrie er nach einem harmlosen Foul von Sven Sören Zöpfgen an der Mittellinie. „Das ist taktisch, Mann“, schrie er, nachdem Laurens Rogowski FC-Stürmer Lüneburg von hinten klammerte, damit dieser nach einem schnell ausgeführten Einwurf nicht in den freien Raum preschen konnte. Seeliger hatte Recht. Und D/A durfte sich im Recht fühlen, weil sich ihr Spiel durchsetzte.

Das Eintracht-Spiel war harmlos und ideenlos, wurde von D/A in den meisten Fällen im Ansatz erstickt. Im Laufe des Spiels, besonders in Hälfte zwei, standen die Norderstedter den Drochtersern in nichts mehr nach: Das dominante D/A-Spiel konnten die Gastgeber oftmals nur durch Fouls unterbrechen.

Trainer mit unterschiedlichen Meinungen

Seeliger echauffierte sich später über die Spielphilosophie der Drochterser: Seine Mannschaft hätte Fußball spielen wollen, D/A nur zerstören. Das erregte den eh schon erregten Maaßen abermals: Seeliger solle nicht das Spiel des Gegners bewerten, sondern das eigene. D/A habe 90 Minuten gepresst und Offensivfußball gespielt.

Normalerweise hält sich Maaßen bei Pressekonferenzen zurück, schweigt gegenüber solcher Kritik. Dieses Mal sah er sich gezwungen, das richtig zu stellen, weil D/A eben auch die spielerisch bessere Mannschaft war. Zudem war Maaßen ob des verschenkten Sieges und besonders aufgrund einer Szene eh schon aufgebracht. Denn hätte der bisher torgefährlichste Drochterser, Florian Nagel, die beste Chance des Spiels schon in der neunten Minute genutzt, hätte D/A sehr wahrscheinlich leichtes Spiel in diesem Duell gehabt. Doch Nagel schaffte es, den Ball aus knapp zwei Metern an den Pfosten zu setzen. FC-Torhüter Johannes Höcker hatte einen saftigen Schuss von Finn-Patrick Gierke nur nach vorne abklatschen können. „Den muss er machen, das war schlampig, das hat uns den Sieg gekostet“, sagte Maaßen selten aufgeregt direkt nach dem Abpfiff.

Nagel sagte, dass er in Sekundenschnelle in der Situation reagieren musste. Aber klar, hätte er machen müssen. Achselzucken. Passiert. Da gebe es keine Entschuldigung, fand Maaßen.

Finn-Patrick Gierke hatte zudem zwei Großchancen (17. und 43.). In der zweiten Halbzeit war das D/A-Spiel optisch noch überlegener. Aber die Chancen nicht mehr so zwingend. In der 55. Minute war bei einem Flankenversuch von Jasper Gooßen eine Eintracht-Hand im Spiel. Unbeabsichtigt, aber es gibt Schiris, die da auf den Punkt zeigen. Zwischen der 60. und 70. Minute spielte sich das Spiel fast nur in Norderstedts Hälfte ab.

D/A hatte vier Ecken und drei Freistöße in Strafraumnähe, machte aber zu wenig aus den Standards. Seeliger wusste, dass es schwer werden würde, „gegen die beste Abwehr“ Tore zu schießen. D/A hatte gegen die individuell starken Norderstedter fast nichts zugelassen.

Maaßen wäre mit einem Punktgewinn zufrieden gewesen – vor dem Spiel.

Die Statistik

FC Eintracht Norderstedt: Höcker, Brown, Mandic, Karg Lara (63. Kulikas), Kummerfeldt, Koch, Opoku-Karikari (46. Rose), Toksöz, Drinkuth (83. Kunath), Choi, Lüneburg.

SV Drochtersen/Assel: Siefkes, Klee, Mau, Rogowski, Elfers, Ioannou, Zöpfgen, Winkelmann, Nagel (79. Balat), Gooßen (89. Fiks), Gierke (65. Neumann).

Zuschauer: 450