Der Debütantinnen-Ball von Assel

Die Fußball-Abteilungen der SV Drochtersen/Assel und des TSV Apensen hatten bis vor Kurzem keine Mannschaften für Frauen. Am Montag standen sich die neu gegründeten Teams im Kreispokal gegenüber. Das Duell hatte einen deutlichen Ausgang.
Der Aktionismus der Ihm-Schwestern hat sich gelohnt. Dank Vanessa und Natascha Ihm, beide 16, hat die Fußball-Abteilung der SV Drochtersen/Assel erstmals eine Frauen-Mannschaft. Sie druckten Flyer, verteilten sie in der Schule in Drochtersen, sie sprachen mit Trainern, fanden mit Alexander Mak einen Unterstützer bei D/A. „Ich hatte zuerst gedacht, das wird nichts“, sagt Mak, der auch die fünfte Herren-Mannschaft trainiert.

Doch Alexander Mak irrte sich. Vanessa und Natascha Ihm fanden 17 Spielerinnen. Anfängerinnen, B-Juniorinnen von D/A, frühere Mitspielerinnen aus Dornbusch. Das Team stand – Mak und Oliver Bethke übernahmen den Trainerposten. Wie passend, dass der Gegner der Kehdingerinnen in der zweiten Runde des Kreispokals TSV Apensen hieß. Denn auch der TSV hat erst seit dieser Saison ein Frauenteam.
TSV Apensen tritt als Favorit an

Montag, zweite Pokalrunde, Anpfiff in Assel. D/A und Apensen präsentieren sich vor 30 Zuschauern. Über dem Sportplatz am Schoolpadd hängen dicke graue Wolken, es nieselt. Über den benachbarten, abgesperrten Hybridrasenplatz rollt der Mähroboter, während nebenan der Ball rollt. 0:1, fünfte Minute, Nina Drechsel; 0:2, elfte Minute, Laura Behnen. Kreisligist Apensen wird seiner Favoritenrolle gerecht. Die eine Klasse tiefer spielende SV D/A ist technisch und läuferisch unterlegen und kann sich nur mühevoll aus der eigenen Hälfte befreien.

„Höher stehen, höher“, ruft Alexander Mak übers Spielfeld. Der D/A-Coach, Red-Bull-Dose in der linken Hand, hat sich hinter dem Kehdinger Tor platziert. Sein Kollege Oliver Bethke dreht während der ersten Hälfte mehrere Runden ums Spielfeld, um seinen Spielerinnen Anweisungen zu geben. Doch der Erfolg ist dürftig: Erst nach 18 Minuten geht’s erstmals in Richtung Apenser Tor. Ballverlust, Konter, 0:3, 19. Minute, Alina Maack; 0:4, 26. Minute, Nina Drechsel; 0:5, 37. Minute, Nele Gerhard.

D/A fehlt die Erfahrung
Das Pokalspiel ist entschieden, und D/A-Keeperin Virginia Kirbach ist machtlos, bleibt nach dem vierten Gegentreffer eine halbe Minute lang auf dem Rasen sitzen. Erst als ihre Mitspielerinnen sie darauf hinweisen, merkt sie, dass der Ball noch im Netz liegt. Mit gesenktem Kopf schlurft Kirbach durch den Strafraum und bolzt den Ball Richtung Mittelkreis. „Man hat gesehen, Apensen spielt schon länger Fußball“, sagt Kapitänin Vanessa Ihm, „wir sind alle Anfänger.“

Vielen D/A-Fußballerinnen fehlt noch die Erfahrung, das taktische Verständnis, die Cleverness. Entsprechend holprig gestaltet sich das Zusammenspiel. Das bestätigt auch Kristin Michaelsen: „Wir sind noch in der Entwicklung.“ Die 18-jährige Mittelfeldspielerin spielt erst seit zwei Monaten Fußball. Ihre drei Jahre jüngere Schwester und Mitspielerin Jessica hatte ein halbes Jahr früher mit dem Fußballspielen angefangen und Kristin später mitgenommen. Und: „Es macht Bock.“
Zur Halbzeit liegt D/A mit 0:5 zurück. Die Spielerinnen sind durchnässt, wirken unzufrieden, blicken grimmig drein. Auch die Apenserinnen. Trainer Matthias Scholz schüttelt den Kopf auf dem Weg in die Kabine. Der Auftritt seiner Mannschaft entspricht nicht seinen Vorstellungen. „Wir sind mit der Art und Weise, wie wir spielen, unzufrieden“, sagt Matthias Scholz. Vor allem die Chancenverwertung könnte besser sein. Trotz etlicher Tormöglichkeiten im zweiten Durchgang landet der Ball nur noch zweimal im D/A-Kasten: 0:6, 70. Minute, Lea Marcks; 0:7, Nachspielzeit, Nina Drechsel.

Der TSV Apensen hatte in diesem Jahr erstmals wieder genügend Spielerinnen zusammen, um eine spiel- und konkurrenzfähige Frauen-Mannschaft aufzubauen (das TAGEBLATT berichtete im Juli). Rund 20 Spielerinnen gehören zum Kader, 15 sind im Schnitt bei den Pflichtspielen dabei. „Es ging rumpelig los, die Mädels steigern sich aber“, sagt Matthias Scholz. Aufgrund der relativ erfahrenen und spielstarken Besetzung geht der TSV Apensen nicht wie D/A in der 1. Kreisklasse an den Start, sondern gleich eine Klasse höher in der Kreisliga. Dort rangiert der Neuling nach vier Siegen und zwei Niederlagen auf Platz zwei.

Anders als D/A. Die Kehdingerinnen haben zuletzt ihren ersten Saisonsieg gegen den VfL Güldenstern Stade II eingefahren und dabei ihren ersten und einzigen Treffer in der 1. Kreisklasse erzielt. „Da haben wir uns richtig den Arsch aufgerissen“, sagt Trainer Alexander Mak. Durch die fünf Niederlagen geht das Tabellenschlusslicht ab Ende Oktober jedoch in der 2. Kreisklasse an den Start.
Trotz der Pleiten in Liga und Pokal ist sich Kapitänin Vanessa Ihm sicher: „Wir werden weiter als Mannschaft zusammenwachsen, und dann wird die Steigerung kommen.“

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